Anleitung für eine lange glückliche Beziehung, Teil 2 | Vier Werte, die eine Beziehung tragen

Oct 16, 2020
 

Wünschst Du Dir auch eine lange glückliche Beziehung? Die größte Sehnsucht der meisten ist es, so geliebt zu werden, wie man ist. Aber wie und wann findet man seinen Seelenpartner? Und was, wenn eine Krise kommt? Darum geht es in diesem zweiteiligen Video

 

4 Werte, die eine Beziehung tragen

In Teil 1 hast Du schon gehört, dass jede Beziehung die gleichen fünf Phasen durchläuft.

Ziel ist es, in der fünften Phase anzukommen. Da wo wir unseren Seelenpartner gefunden haben:

  • Wir zeigen uns, so wie wir sind.
  • Wir werden geliebt, so wie wir sind.
  • Wir akzeptieren und lieben den anderen, so wie er oder sie ist.

Unsere Sehnsucht hat sich erfüllt. Wir haben unseren Seelenpartner gefunden!

Die Voraussetzung dafür ist, dass wir uns selbst wert-schätzen. Ohne den eigenen Selbstwert können wir unseren Partner nicht wert-schätzen.

Das bedeutet…

Das Fundament für eine Seelenpartnerschaft ist der Selbstwert.

Hier liegt der große Unterschied zur Verliebtheitsphase. Wenn wir verliebt sind, fühlen wir uns wundervoll, weil der andere uns Zeit, Aufmerksamtkeit und Komplimente schenkt. Wir fühlen uns gesehen. Alles ist aufregend und neu. Am liebsten würden wir die ganze Zeit miteinander verbringen, um dieses Gefühl ständig zu fühlen. Wir fühlen uns wertvoll.

Auch wenn das Gefühl berauschend ist, gibt es einen großen und entscheidenden Unterschied zur Seelenpartnerschaft. Wir sind zwar verliebt und fühlen uns wertvoll, aber tatsächlich ist unser Selbstwert nicht nachhaltig gewachsen. Er ist abhängig von dem Verhalten, das uns der andere entgegenbringt. Denn sobald nach 1 bis 2 Jahren der Alltag und der Gewöhnungseffekt eintritt, lässt dieses Gefühl nach. Beim „echten Selbstwert“ ist das nicht der Fall.

Man könnte also sagen, dass es das Ziel einer Beziehung ist, den Selbstwert zu stärken: Bei sich selbst und den anderen ebenso dabei zu unterstützen, seinen Selbstwert auf- bzw. auszubauen. Denn es geht ja darum, so geliebt zu werden, wie man ist, mit allen Stärken und allen Schwächen. Wir erschaffen uns damit unsere Seelenpartnerschaft.

Wie entwickelt man in einer Beziehungen den Selbstwert?

Hier greife ich im Folgenden auf die wertvolle Arbeit von Jesper Juul, dem dänischen Familientherapeuten zurück. Jesper Juul hat vier Wert formuliert, die den Selbstwert stärken und für stabile Beziehungen sorgen.

 

Gleichwürdigkeit

Gleichwürdigkeit bedeutet, dass jeder Mensch gleich viel wert ist und den gleichen Respekt verdient. Das Verhalten, die Gedanken und die Gefühle gilt es nicht nur bei sich wertzuschätzen, sondern auch beim Gegenüber.

Das klingt jetzt so einfach, aber tatsächlich wird dieser Wert in unserer Gesellschaft noch gar nicht so lange gelebt. Schauen wir mal in die Familienrechtsgeschichte der 50er Jahre. Damals war es so, dass der Mann das gesamte Vermögen der Familie verwaltete. Unabhängig davon, wer das Geld in die Familie eingebrachte. Gleichzeitig war er verpflichtet, für den Unterhalt der Familie sorgen. Er hatte nicht nur weitreichende Rechte, sondern auch eine erhebliche Verantwortung zu tragen. Das führte zu der klassischen Rollenverteilung, die Du vielleicht noch von Deinen Eltern oder Großeltern kennst. Die Bedürfnisse des Hauptverdieners standen an erster Stelle. Die Frau und die Kinder ordneten sich diesen unter. Mit Gleichwürdigkeit hatte das nicht viel zu tun.

Seit 1957 wurde glücklicherweise das Gleichberechtigungsgesetz eingeführt. Allerdings dürfen wir uns bewusst machen, dass die Auswirkungen heute immer noch in vielen Familien spürbar sind.

👉  Sofern Du Dir eine lange und glückliche Partnerschaft wünschst, möchte ich Dich dazu einladen zu hinterfragen, ob Gleichwürdigkeit in Deiner Familie – zwischen Erwachsenen und auch zwischen Erwachsenen und Kindern aktiv gelebt wird.

Eigenverantwortung

Bei der Eigenverantwortung geht es darum, Verantwortung für die Dinge zu übernehmen, zu denen man auch in der Lage ist, sie zu tragen: die eigenen Gedanken, die eigenen Gefühle und die eigenen Reaktionen.

Jetzt mag, der ein oder andere vielleicht widersprechen und sagen: „Was soll ich denn tun? Ich werde oft von den Umständen bestimmt.“

Dazu ein Beispiel von Morgan Freeman, dem schwarzen US Schauspieler. Er wurde von einem Journalisten in einem Interview gefragt, wie er reagieren würde, wenn er als ‚Nigger‘ beschimpft würde. Morgan Freeman antwortete: „In meinen 20ern wäre ich ausgerastet. Aber heute würde ich mich fragen, was der andere wohl für ein Problem hat.“ Du siehst also, dass auch, wenn man angegriffen wird, man selbst entscheiden kann, ob man sich angegriffen fühlt und wie man darauf reagiert. So ist es in 99% der Fälle. In den meisten Fällen hast Du die Wahl und mehrere Möglichkeiten zu fühlen und zu reagieren.

Ich erlebe es täglich, dass Menschen sich an mich wenden und fragen: „Mein Mann oder meine Frau ist Alkoholiker oder ist fremdgegangen [….] Wenn er oder sie sich doch ändern würde, dann wäre alles gut.“ Sucht man die Schuld beim Anderen, versetzt man sich selbst automatisch in die Opferrolle und gibt die Verantwortung ab. Opfer zu sein, schwächt allerdings den eigenen Selbstwert. An dieser Stelle darf man sich bewusst werden, dass in 99% der Fälle man tatsächlich eine Wahl, sofern man die Eigenverantwortung übernimmt. Wir haben es eben von Morgan Freeman gehört. 

👉  Willst Du eine lange und glückliche Partnerschaft leben, musst Du Eigenverantwortung übernehmen und Deinem Partner die Verantwortung für sein Denken und Handeln lassen.

Schauen wir in die Vergangenheit wurde uns Eigenverantwortung in der Paarbeziehung nicht unbedingt von unseren Eltern vorgelebt. Bis 1976 war es sogar noch so, dass im Trennungsfall von rechts wegen die Schuldfrage gestellt wurde. Ging jemand fremd oder verletzte die Frau ihre häuslichen Aufgaben, zu denen sie gesetzlich verpflichtet war, führte das zu massiven finanziellen Konsequenzen bei der Scheidung. Eigenverantwortung konnte also vor diesem Hintergrund aus finanzieller Sicht sehr schädlich sein. So blieben viele zusammen, weil sie die Konsequenzen fürchteten. Wirklich glücklich waren solche Ehen sicher nicht. Ausgenommen sind diejenigen, die es als größtes Glück empfinden, um jeden Preis bis zum Ende durchzuhalten - komme was wolle!

Glücklicherweise wurde die Schuldfrage bei Trennungen 1976 abgeschafft. Nichts desto trotz ist diese Denkweise noch sehr verbreitet.

👉  Möchtest Du eine lange glückliche Seelenpartnerschaft leben, ist die Übernahme von Eigenverantwortung eine Deiner wichtigsten Entwicklungsaufgaben.
 

Integrität

Integrität bedeutet Unbestechlichkeit. Verhalte ich mich integer gegenüber mir selbst, dann nehme ich meine eigenen Bedürfnisse und meine eigenen Grenzen ernst. Verhalte ich mich integer dem anderen gegenüber, respektiere ich auch dessen Grenzen und Bedürfnisse.

Um Integrität zu leben braucht es Mut. Mut sich tatsächlich so zu zeigen, wie man ist. Sich dem anderen "zuzumuten". Gerade in der Verliebtheitsphase ist das nicht so. Jeder zeigt sich von seiner „besten Seite“ aus Angst, der andere würde ihn verlassen, sobald er die Schwächen erkennt. Mit diesem Verhalten sinkt der eigene Selbstwert.

Auch der übersteigerte Wunsch nach Harmonie sorgt dafür, dass eigene Bedürfnisse verdrängt oder hinten angestellt werden. Man gesteht sich selbst ein Bedürfnis nicht zu. Häufig hat das wiederum zur Folge, dass man auch seinem Partner die Wünsche vergönnt. Eine Abwärtsspirale beginnt.

Wenn Du Du Konflikte vermeidest, um den Frieden zu bewahren,
beginnst du einen Krieg in Dir selbst.


👉. Mach Dir bewusst, dass ein übersteigertes Harmoniebedürfnis, den Selbstwert schwächt und damit auch eine lange glückliche Partnerschaft gefährdet.

 

Authentizität

Sich authentisch zu verhalten heißt Rollen abzulegen… genauer sich nicht damit zu identifizieren. Zum Beispiel mit der Rolle als Vater, der Mutter oder des Geschäftsführers.

Ein Beispiel: Eine Mutter kam zu mir, die erheblichen Stress darauf hatte, dass ihr Sohn wohl das Abitur nicht schaffen würde bzw. nicht machen wollte. Sie sagte zu mir: „Ich habe meine Mutterrolle dann erfüllt, sobald mein Sohn das Abitur gemacht hat.“ Sie identifizierte sich also über ihre Rolle als Mutter und knüpfte daran das Abitur ihres Sohnes.

Das führte dazu, dass sie sich selbst und auch ihrem Sohn aktiv enormen Stress aussetzte. Sie machte ihren eigenen Selbstwert von ihrem Sohn abhängig. Die Gefahr des persönlichen Scheiterns war damit so gut wie vorprogrammiert. Denn der Sohn wollte sich natürlicherweise von seiner Mutter abnabeln. Seine Mutter verletzte mit ihrer Erwartungshaltung seine Integrität. Damit fühlte er sich quasi gezwungen, sein Abitur nicht zu machen und damit die Grenze zu ziehen.

Erst als die Mutter das erkannte, lies sie von ihren Erwartungen ab. Sie gab ihrem Sohn seine Verantwortung zurück und stärkte das Vertrauen in ihn, dass er die richtige Entscheidung für sich treffen würde. Er machte schließlich eine Ausbildung und das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg. Das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn ist heute offener und vertrauter denn je.

👉  Mach Dir klar: Sobald Du Dich mit Rollen identifizierst statt einfach Du selbst zu sein, ist das für eine lange glückliche Partnerschaft nicht hilfreich.

 

Die vier Werte Gleichwürdigkeit, Eigenverantwortung, Integrität und Authentizität klingen so einfach. Und es braucht eine Menge, um sie wirklich zu leben. Es braucht die Bereitschaft beider, an sich selbst zu arbeiten und die Offenheit miteinander zu kommunizieren.

 Allerdings höre ich immer wieder Sätze wie…

… ich könnte gegen eine Mauer reden, das wäre das gleiche.
… mein Partner hat kein Interesse zu wachen und neues zu lernen.
… wir können nicht mehr miteinander kommunizieren – schon seit vielen Jahren.

👉  Wenn das bei dir so ist, möchte ich Dir Mut machen. Du kannst auch ohne Deinen Partner oder Deine Partnerin an den vier Werten arbeiten. Du brauchst Deinen Partner nicht, um Dich weiterzuentwickeln. In vielen Fällen erlebe ich es, dass der Partner bzw. die Partnerin irgendwann neugierig wird und nachzieht.

Und sollte das nicht so sein… 

Wenn Du an den vier Werten arbeitest, gewinnst Du auf jeden Fall: mehr Selbstwert und mehr Klarheit, was Du wirklich willst.

Sei es Dir selbst wert

❤️  Herzliche Grüße

Deine Barbara


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